Die Trix 119 002-4 kommt unter das Messer

"Aus zwei mach eins"Basis dieses Projekts ist das H0-Modell der 119 002-4 (Artikel 22606) von Trix.

Worum geht es hier? Kurz gesagt: Eine Trix 119 wird "zerrupft" und auf den Unterbau einer Roco 118 gesetzt.

Und warum tue ich mir das alles an?

  • Die Pufferträger liegen systembedingt zu hoch und die Pufferteller sind viel zu klein.
  • Ovale anstatt runder Leuchten.
  • Die mittleren Treibachsen sind nicht angetrieben und blockieren oftmals im Fahrbetrieb.
  • Die Kupplung wurde direkt am Vorläufer respektive Nachläufer angebracht, das ist eher suboptimal.
  • Keine Kurzkupplungskulisse.
  • Die Farbgebung ist zwar passend für den Zustand nach 1975, aber der steingraue Zierstreifen wurde zu niedrig angebracht. Für mich ist das ohnehin egal, denn ich benötige die Lok im Zustand Sommer '72.
  • Das ist ein nettes Bastelprojekt.

Verständnis für diesen Wahnsinn erwarte ich nicht. Aber ich möchte zumindest zeigen, wie ich es machen möchte.

Darum hier das bereits lange geplante "Wie":

  • Verwendung des Fahrgestells einer nach 1992 hergestellten Roco 118 inklusive Antrieb, KKK, DSS und Vorläufermechanik.
  • Übernahme des Gehäuses, der Räder sowie von etwa 85 Prozent der Fahrwerksnachbildung der Trix 119.
  • Optional Einsatz der Vorlaufräder inklusive zugehöriger Bremsnachbildungen der Fleischmann 119.1 (Ersatzteil).
  • Austausch der Lampeneinfassungen gegen die Messingfassungen von Weinert.
  • Neulackierung und -beschriftung des Modells in den Zustand Sommer '72 (Flaschengrün - letzte E3 um 1960 - , Dach in Weißaluminium).
  • Verfeinerung mit diversen Anbauteilen (Signalhalter, Ölkühler, etc.).
  • Behebung kleinerer Mängel in der Modellumsetzung, bspw. fehlender Sifa-Kasten etc. .

 Roco links, Trix rechtsBasismodell: Die Trix 119.0 habe ich bereits nach der damaligen Ankündigung des Modells voller Begeisterung vorbestellt und, das sollte man sich angesichts dieses brachialen Umbaus vor Augen führen, mit dem vollen Kaufpreis bezahlt - die Lok war nicht günstig. Für die ersten Modellfotos, die auch die Verpackung zieren, hatte Trix das neue 119.0-Gehäuse einfach auf ein Fahrwerk einer Märklin 119.1 gesetzt, was in meinen Augen erst einmal, vom abweichenden Bremsgestänge und den Achsständen abgesehen, recht ordentlich aussah. Man versprach auch eine Kurzkupplungskulisse und vier angetriebene Achsen. Die Ernüchterung folgte dann im Laden, denn der Hersteller wollte viel und lieferte wenig: Damals hätte noch die Chance bestanden, das Modell einfach stehenzulassen. Selbst schuld.

[Eine sehr schöne Modellkritik zur Trix 119 mit vielen Anregungen, was man an der 1:87-Umsetzung optimieren kann, findet sich übrigens in der MIBA 8/2009.]

Im Nachhinein wird der Kauf als Lehrgeld verbucht; die einzige Lok im Fahrzeugbestand, die Göppinger Wurzeln aufweisen kann, darf jetzt ohne jedes schlechte Gewissen "unters Messer". Weil die Achsstände der 118 und 119.0 absolut identisch sind, bietet sich der bewährte Antrieb der Roco 118 natürlich geradezu für den Umbau an. Das Projekt hatte ich schon kurz nach dem Kauf der Trix 119 in der Theorie geplant, aber erst jetzt praktisch angepackt.

Was brauchen wir? Die Trix 119 ist da. Abgehakt. Was brauchen wir noch? Klar, eine Roco 118. Sollte ich nun ans "Schwafeln" kommen, bitte den nachfolgenden Teil einfach großzügig und, sofern nötig, auch komplett überspringen.

Vergleich der Rahmen (Trix rechts)1. Spendermodell: Dabei handelt es um das Roco-Modell (Artikelnummer 43661) der E18 24. Das Vorbild dieser Maschine lief bis zur Ausmusterung bei der Deutschen Bundesbahn (und ist heute Museumslok des Thüringer Eisenbahnvereins e.V. in Weimar, inklusive Bundesbahnlackierung und "Tütenlampen"), gehörte jedoch zu den E18, die nach Ende des Krieges in der sowjetischen Besatzungszone verblieben sind und 1953 im Rahmen eines Tauschgeschäfts von der Deutschen Reichsbahn der DDR zur Deutschen Bundesbahn gelangten. Bei der Reichsbahn der DDR wurde E18 24 nie eingesetzt, jedoch hat ein Vorbesitzer des Modells das Fahrwerk gemäß den Vorgaben der DR rot lackiert und auch die Eigentumsanschrift in "Deutsche Reichsbahn" geändert. Diese "Basteleingriffe" und die fehlenden Griffstangen hatten möglicherweise viele potentielle Interessenten in der Bucht verschreckt, denn ich konnte das Modell im Rahmen einer Auktion im März 2018 vergleichsweise günstig gebraucht erwerben. Für das "Wir zerrupfen die 119"-Projekt ist die Vorgeschichte der Roco-Lok völlig irrelevant, es sollte aber, wie es hier der Fall ist, ein Modell nach der Anfang der 90er Jahre stattgefundenen Modellpflege sein (also u.a. Digitalschnittstelle, Getriebe mit Kardanwellen sowie Normschächte mit Kurzkupplungskulisse). Die SBS39/54-Stromabnehmer mit Dozler-Doppelwippe werden an meine 118 017-3 gehen. Der Antrieb der E18 24 soll Teil der neuen 119 002-4 werden.

Okay, die Roco 118 ist abgehakt. Eigentlich. Theoretisch kommt man mit einer 118 aus, es sei denn, man möchte das Gehäuse erhalten. Dann besorgt man sich für kleines Geld eine älteres Roco-Modell mit Schraube im Dach als:

Das passt zusammen2. Spendermodell: Dieses Roco-Modell muss den unterhalb der Türen gelegenen Teil des Gehäuses abgeben, das Ansetzen der Säge ist daher unvermeidlich. Das Gehäuse der E18 24 erscheint dafür zu schade, also muss eine im Bastelfundus aufgestöberte 118 049-6 von Roco ran, ein älteres Modell aus den 80ern mit Tütenlampen und Schraube im Dach.

Ausführung: Los geht es mit dem Zerlegen des Trix Modells und, bereits als Vorbereitung für den späteren Neulack, dem Entfernen aller Fenstereinsätze. Bei der Fertigung, die vermutlich irgendwo in Fernost stattfand, wurde nicht lange gefackelt, man hat alle Fenstereinsätze mit Plastikkleber fixiert (das übernimmt keine Maschine und erfordert Übung). Steckteile wie bei Roco sucht man hier vergeblich. Somit ist es reine Glückssache, wie viel Kleber beim eigenen Modell zum Einsatz gekommen ist. Dem "Sechser im Lotto" entspricht natürlich: wenig Kleber an den richtigen Stellen.

In meinem Fall sind es drei Richtige mit Zusatzzahl, z.T. befindet sich sehr viel Kleber unmittelbar neben einem Fenster, und der Einsatz ist daher nahezu mit dem Gehäuse verschweißt. Früher oder später sollte aber stets die schwächste Verbindung unter mechanischer Beanspruchung nachgeben: Mit einem geschlitzten Uhrmacherschraubendreher gelingt es unter Einsatz größter Vorsicht, alle Einsätze ohne Beschädigungen der Fenster herauszubrechen. Die im Gehäuse verbliebenen Reste werden später noch mit dem Dremel entfernt. Das Ende ist auch für die vier langen Stege, welche in das Gehäuse reinragen und zur Verschraubung mit dem Fahrwerk dienen, gekommen - weg damit. Erste Vergleiche zwischen den Roco-Modellen und der Trix bestätigen erneut, dass der Umbau möglich ist.

Jetzt sind die Lampen dran: Die Glaseinsätze der bisherigen Leuchten sind eingeklebt, werden aus diesem Grund vorsichtig mit dem Handbohrer ausgebohrt und Anhaftungen in Form von Plastik- und Kleberresten an den so geschaffenen Öffnungen mit der Feile entfernt. Anschließend kommt das scharfe Bastelmesser zum Einsatz: Die ovalen Einfassungen der Leuchten werden vom Gehäuse abgeschnitten, dank des weichen Kunststoffs geht das recht leicht von der Hand. Komplizierter gestaltet sich die Montage der Weinert-Fassungen: Die Position habe ich anhand von Zeichnungen und Fotos bestimmt, dann im Anschluss die notwendige Tiefe im Gehäuse "herausgeschabt" und die filigranen Messingteile mit Sekundenkleber fixiert. Und da das Bastelmesser schon einmal in der Hand liegt: Die UIC-Steckdosen werden beseitigt. Das kleine Loch für die Zugfunkantenne wird mit Spachtel geschlossen. Sichtbare Formtrennkanten in den vorderen Gehäusebereichen werden geschliffen.

Weiter geht's mit dem Verspachteln der Leuchten: Verwendet wird Revell Plasto, das Schleifen nach ausreichender Trockenzeit ist kein Spaß. Spachteln, Schleifen, Grundieren, Schleifen, Grundieren, Schleifen... das wird wiederholt, bis den Betrachter das Ergebnis zufriedenstellt.

Die Fahrwerksnachbildungen der Roco E18 sowie der Trix 119 werden mit dem Bastelmesser "zersägt". Das kostet erst einmal Überwindung, denn spätestens jetzt ist die Trix "hinüber". [Einen möglichen alternativen Umbauvorgang, bei dem das Gehäuse der 119 unverändert bleibt und nur die Pufferbohlen und Kurzkupplungskulissen der Roco E18 übernommen werden, wurde von mir schnell verworfen - das macht zu viele Probleme beim Aufsetzen des Gehäuses auf das Roco Fahrwerk.] Wie die "Portionierung" der Fahrwerksteile vorzunehmen ist, lässt sich anhand der Fotos erkennen - hier ist Improvisation gefragt. Vorsicht: Ist der Roco-Rahmen erst einmal zerschnitten, brechen die derart geschwächten Horizontalstreben recht schnell. Glücklicherweise ändert sich das nach dem Hinzufügen der Trix-Seitenteile (unter Einsatz von 2K-Kleber) recht schnell wieder.

Rahmen nach dem ZusammenfügenRahmen nach dem Zusammenfügen

Die Spender-118 wird zersägt, um das Gehäuse der Trix auf Roco-Maße erhöhen zu können. Es wird nur der untere Teil des Gehäuses benötigt, also alles unterhalb des Umlaufs unter den Türen. Dieser Teil passt ganz genau unter das Gehäuse der Trix 119, die damit kompatibel zum Roco-Unterbau wird. Damit das Gehäuse problemlos auf das Roco-Gussstück aufgesetzt werden kann, sollte die Innenseite von allen noch vorhandenen Fensterresten befreit werden. Vorsicht: Aufgrund des fehlenden Anschlags unter dem Gehäusedach kann dieses nun evtl. zu weit aufgesetzt werden und den vorderen Teil des Rahmens verbiegen! Hier muss also eine entsprechende Erhöhung unter dem Gehäusedach eingebracht werden, um dies zukünftig verhindern zu können. Das zersägte 118-Gehäuse wird noch nicht beiseitegelegt, wir werden es im weiteren Verlauf des Projekts noch benötigen.

Die Räder des Trix-Modells werden mittels geeignetem Werkzeug (in meinem Fall Radsatz-Richtgerät und Spurmaß-Lehre) mitsamt der Buchsen von den Achsen getrennt und auf die Roco-Achsen aufgepresst. Das passt, funktioniert und sieht gut aus. Man könnte die Räder nun noch karminrot lackieren (Diese vorbildgerechte Lackierung ist bspw. auf einem während einer Ausstellung im Jahr 1962 entstandenen Foto der E19 02 recht gut zu erkennen), wobei diese jedoch im Betrieb bekanntlich so schnell verschmutzten, dass sie stets tiefschwarz wirkten. Ohne Vorlaufräder fährt die Lok nun mit Roco-Fahrgestell problemlos mit vier angetriebenen Achsen durch den Radius R2. Mit Vorlaufrädern wird R9 problemlos durchfahren - evtl. auch weniger - , was für mich vollkommen ausreicht. Soll es deutlich weniger als R9 sein, wird man um Fräsarbeiten im Bereich des Vorläufers nicht herumkommen. Ich habe jedoch vor, hier möglichst nah an das Vorbild heranzukommen, somit wird dieser Bereich des Rahmens im Laufe der nachfolgenden Arbeiten weiter verschlossen.

Noch ist der Umbau nicht abgeschlossen, aber ist man erst einmal soweit gekommen und hat die kleinen Vorlaufräder der Roco 118 gegen die großen Exemplare der Trix getauscht - der Achsstand der 119 ist jetzt übrigens erstmals korrekt! - , sieht die Lok mit aufgesetztem Gehäuse bereits stimmig aus. Fotos in Gesamtansicht gibt es allerdings erst, wenn der Umbau abgeschlossen ist; aktuell (6/2018) ist nun auch das Fahrwerk mit einer ersten Grundierung versehen worden, so dass hier die Detailarbeiten beginnen können. Der Lokkasten wartet noch auf die Komplettierung der Dacharbeiten, kleinere Spachtel- und Schleifarbeiten sowie auf die Türeinfassungen.

Nun ruht das Projekt ein wenig zugunsten von 118 017-3, deren Komplettierung wertvollen Erfahrungsgewinn für den daran anschließenden Abschluss der Arbeiten an der 119.0 bringen sollte. Immerhin ist die Nachbildung der erhabenen Türrahmen vorangekommen: Wollte ich diese zunächst aus einem Stück zurechtschneiden, so entstehen sie jetzt aus jeweils drei schmalen Profilen pro Tür.

[Fortsetzung folgt]

 
 
 
 
Bilderliste: 
119 002-4
119 002-4
119 002-4

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