Aus E18 06 entsteht 118 017-3

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Am 13.11.2012 konnte ich ein etwas "angeschlagenes" Modell der stahlblauen E18 06 von Roco (Artikelnummer 43729) als "E18 28 (grün)" für günstige 25 Euro in der Bucht "schießen". Dabei handelt es sich um die zeitgemäße Ausführung (u.a. Antrieb mit Kardanwellen, Digitalschnittstelle, angesetzte Griffstangen, feinere Stromabnehmer und Isolatoren sowie Kurzkupplungskulissen) der schon in den späten 70er Jahren entstandenen Roco 118. Ein solcher Preis für dieses Modell kann nur als Schnäppchen bezeichnet werden.

Am Modell fanden sich aber folgende Mängel:

  • Ganze Seen aus Kleber rund um die Böcke der Stromabnehmer
  • Fehlende Isolatoren
  • Leitern und Griffstangen fehlen
  • Ein Puffer ist abgebrochen

Schnell war die Entscheidung getroffen, dieses eher zufällig "geschossene" Modell als 118 017-3 in den Epoche IVa-Fuhrpark zu übernehmen. Das Vorbild trug zum geplanten Einsatzzeitraum 1972 noch die originalen Lampen. Zunächst durfte das teilzerlegte H0-Modell aber Staub ansetzen, bis das Projekt Anfang 2018 endlich aufgenommen wurde.

[Das Projekt erscheint mittlerweile angesichts der einwandfrei detaillierten Piko 118, die 2018 als Neuheit erscheint, ein wenig angestaubt. Aber wenn man es nur aus dieser Perspektive betrachten würde, könnte ich auch anstatt der TTM-Bausätze die hervorragenden Fertigmodelle von Brawa verwenden. Das mache ich aber nicht, denn wie bei den Waggons steht auch bei den Loks ohne jeden Zweifel der Bastelspaß im Vordergrund :-) !]

Zunächst war die Bestimmung der korrekten Farbgebung für die Umlackierung angesagt:

  • Lokkasten in Stahlblau
  • Dach in Umbragrau
  • Zierstreifen in Steingrau
  • Fahrwerk in Tiefschwarz

Leider liegt mir keine vollständige Kopie des Betriebsbuchs dieser Lok vor. Anhand folgender Daten kann aber der ungefähre Zeitpunkt der letzten U3 vor 1972 bestimmt werden:

  • E3 MF abgeschlossen 12.2.1959 (laut Betriebsbuch Blatt 3)
  • E2 MF abgeschlossen 5.2.1961 (laut Betriebsbuch Blatt 3)
  • U2 MF 22.01.1975 (Quelle Internet sowie Literatur)
  • Vorgesehen zur U3 im Sommer 1977, stattdessen Ausmusterung

Aufgrund der Laufleistungen zu Beginn der 60er Jahre kann vorsichtig davon ausgegangen werden, dass die Lok bereits um 1964 eine weitere Hauptuntersuchung ohne Neulack in Freimann erhalten hat. Die nächste Hauptuntersuchung mit Neulackierung dürfte somit ab 1967 (also nach 1965, jedoch vor 1969!) stattgefunden haben. Damit sind die Farben Stahlblau sowie Umbraugrau gesetzt. Auf einigen Schwarzweißfotos, die gegen Ende der 60er Jahre und Anfang der 70er Jahre entstanden sind, erscheint das Dach der Maschine manchmal recht hell (was auf Weißaluminium schließen lässt), manchmal jedoch eher dunkel (damit Umbragrau) - auf den meisten Farbfotos sehe ich überwiegend ein Umbragrau heraus.

Fehlt noch die Anschrift der letzten Hauptuntersuchung - das wäre eine U2 gewesen - vor Sommer 1972. Konkretes habe ich nicht finden können, jedoch: In der Literatur, das entsprechende Buch ist 1976 erschienen, findet sich eine Fahrwerksaufnahme der 118 017-3 in Schwarzweiß. Die Auflösung dieses Drucks lässt zu wünschen übrig, aber mit sehr viel gutem Willen lässt sich das Datum 7.7.70 "erraten", welches im Kontext der bestätigten Untersuchungsdaten recht plausibel erscheint. Für die Decals wird es also dieses Datum werden, selbst wenn die letzte Bestätigung fehlt (Hinweise werden gerne entgegengenommen). Weitere Details: Das Vorbild war 1972 in Freilassing beheimatet, trug seitliche DB-Kekse und nur noch ein einziges Fabrikschild (AEG Berlin 4910), welches im Gegensatz zu vielen Schwestermaschinen vergleichsweise hoch positioniert war.

E18 06 vor der GrundierungDie Vorgaben stehen fest, nun geht es an die Umsetzung. Zunächst muss das Modell für die Lackierung vorbereitet werden: Dazu wird erst der Dachgarten abgeräumt, anschließend werden die vielen Kleberreste vorsichtig mit dem Bastelmesser entfernt. Die unnötigen Trägerplatten für die Zugfunkantennen verschwinden, ebenso die nur angeformten Signalhalter (letztere sollen durch detaillierte Ausführungen ersetzt werden). Einige Formtrennkanten werden bei der Gelegenheit angeschliffen.

Die Puffer werden durch gefederte Exemplare von Weinert ersetzt. Das Fahrwerk wird auf den Einsatzstand der 70er Jahre gebracht, indem u.a. die mittleren Sandkästen entfernt werden. Die passenden Stromabnehmer sowie fehlende Teile der Dachausrüstung werden von E18 24, einer Spenderlok aus einem Parallelprojekt, übernommen.

Update Juli 2018: Ich habe mich spontan dazu entschieden, das bereits umbragrau gesprühte Dach des Modells silberfarben zu lackieren. Nach intensiver Sichtung der Farbfotos war die anfängliche Theorie nicht mehr zu halten, dass Umbragrau in Frage kommt - das Dach muss beim Vorbild noch in den siebziger Jahren silber gewesen sein, wenn natürlich auch stark verschmutzt.

Die bereits montierten Roco-Aufstiegstritte werden wieder verschwinden. Eine Alternative sind die wirklich gut gemachten Leitern der Trix 119.0, jedoch lassen sich diese nicht mehr als Ersatzteil beziehen. Entweder verwende ich die Leitern der Fleischmann 119.1 oder ich konstruiere eigenhändig neue Aufstiegstritte mitsamt der Griffstangen.

Kupferdraht als RegenrinneDas Vorbild des Modells besaß eine schmale Regenrinne zwischen den zwei Nietreihen unterhalb des dritten Spitzenlichts an jedem Führerstand. Ebenso waren die Regenrinnen über den Türen länger ausgeführt als bei vielen Schwestermaschinen. Diese prägnanten Besonderheiten sollen auch am Modell nachgebildet werden. Die schmale Regenrinne entsteht aus 0,25 mm starkem Kupferdraht, während die Rinnen über den Türen mit Kunststoffprofilen verlängert werden.

Die Griffstangen unterhalb der Führerstandsfenster sind beim Original an drei Punkten befestigt, während es beim Roco-Modell vier Punkte sind. Ein weiterer Punkt, der korrigiert werden soll.

[Fortsetzung folgt]

 
Bilderliste: 
118 017-3