Intel DP43BF: Vorsicht beim BIOS-Kauf!

Eltiche Jahre wurde bei uns im Haus ein Intel Core2 Duo E8400 auf einem Intel DP43BF als Brot- und Buttersystem verwendet, bis dieser Rechner in niedere Dienste abgeschoben wurde. Beim Versuch, eine Intel SSD zuzurüsten, führte der letzte Besuch im BIOS dieses Systems zu einem anschließenden Totalausfall. "Save settings" -> "Yes", und das war es dann. Kein Bild, kein Ton.

Da die 8 GB RAM und CPU einwandfrei werkelten, wollte ich das System nicht einfach so abschreiben. Aber Anfang 2019 zahlte man in der Bucht selbst für gebrauchte Boards, die den Sockel LGA775 und dank Chipset P43 sogar DDR3-RAM unterstützen, mehr als 50 Euro. Also lohnte evtl. eine Reparatur.

Da der Ausfall direkt nach dem letzten Beschreiben des EEPROM auftrat, machte ich dieses aus dem Bauch heraus als Schuldigen aus. Erster Reparaturversuch: Die BIOS-Recovery-Prozedur von Intel wurde mehrfach in verschiedenen Ansätzen ausgeführt, führte aber stets zu einem Hänger des Flashprozesses - Dauerblinken der Power-LED bis in alle Ewigkeit. Das führte zu nichts, also musste der Chip ersetzt werden: In der Bucht wurde bei einem niederländischen Anbieter ein programmiertes Ersatz-EEPROM in SMD-Bauform erworben. Dieses sollte nach Angaben des Verkäufers "voll kompatibel sein".

Intel verbaut auf dem Board ab Werk ein EEPROM des Typs SST25VF016B. Aus den Niederlanden wurde mir jedoch ein Baustein eines anderen Herstellers mit gleicher Kapazität und mit gleichem Pinning gesendet, sah also alles auf dem ersten Blick hin gut aus. Beim Auslöten des defekten EEPROMs vom Board lösten sich natürlich bei meinem Geschick einige der Zuleitungen, so dass ich mir erst einmal mit fliegender Verdrahtung geholfen habe. Et voilà, das Board bootete wieder, mich strahlte das etwas ältere BIOS 0079 an. Die Freude war groß.

Die Freude währte aber nicht lange. Zum Booten des bisherigen Betriebssystem musste ich von Legacy auf UEFI umstellen. Und das funktionierte bereits nicht - die BIOS-Einstellungen ließen sich einfach nicht speichern. Ebenso schaltete sich der Rechner beim Herunterfahren eines gebooteten Betriebssystem nicht aus. Merkwürdig. Ein Update der BIOS-Version von 0079 auf die aktuelle 0088 schlug ebenfalls fehl, indem es in einer Endlosschleife endete.

Ich verglich die Datenblätter des Austausch- und des Origjnalchips und entdeckte Abweichungen in der internen Seitenorganisation. Der Verdacht lag nahe, dass das Lesen des BIOS via SPI funktioniert, das Schreiben hingegen nicht - trotz einwandfreier Verdrahtung, was ich mehrfach verifiziert habe. Somit schrieb ich eine entsprechende eMail an den Verkäufer des Chips, ohne jemals eine Antwort darauf zu erhalten. Und besorgte mir direkt ein leeres EEPROM des Typs SST25VF016B, also des Originals.

Als das neue EEPROM eingetroffen war, baute ich mir eine kleine Bastelplatine (siehe Foto), auf der ich mittels Jumper zwischen den beiden Chips wechseln kann (/CE-Signal). Der Plan sah zunächst vor, mittels des funktionierenden BIOS zu booten und anschließend im laufenden Betrieb das leere EEPROM mittels Intel-Flashtool zu beschreiben. Ging aber nicht, da das Intel-Tool dazu neu bootet. Also musste ein anderer Ansatz her. Ich besorgte mir das hervorragende Opensource-Programm "FlashRom", welches das Flashen des Chips im laufenden Betrieb erledigen kann. Zum Schreiben des SST25VF016B mussten jedoch zunächst einige Anpassungen im Datenteil des Quellcodes vorgenommen werden. Nach der erneuten Kompilierung konnte ich das Programm anschließend unter Linux ausführen, den Inhalt des inkompatiblen Ersatz-Chips auslesen (und testweise auch wieder in diesen Chip zurückschreiben), den Jumper umsetzen und das leere EEPROM erfolgreich beschreiben.

Dass das Board mit dem originalen EEPROM-Typ endlich wieder einwandfrei funktioniert, ließ sich sofort feststellen, da die BIOS-Einstellungen gespeichert werden können - Booten via UEFI ist wieder möglich. Der Rechner schaltet sich beim Herunterfahren sauber aus. Und das Flashen des aktuellen BIOS 0088 in das EEPROM mittels Original-Intel-Flashtool funktioniert. Das Board ist bei uns somit wieder in den normalen Einsatz zurückgekehrt. Die Spuren der Reparatur bleiben natürlich in Form der Bastelplatine, aber das ist okay so. Möge es noch einige Jahre halten.

"Die Moral von der Geschicht": Traue den BIOS-Verkäufern nur bedingt über den Weg. Wenn Sie ein Intel DP43BF oder eine der verwandten Versionen reparieren wollen, bestehen Sie auf Lieferung des originalen EEPROM-Typs! Für viele weitere Boards wird die gleiche Regel gelten. Der Verkäufer spart im Einkauf einige Cent, macht jedoch damit bereits eine erfolgreiche Reparatur im Ansatz zunichte.

P.S.: Der Verkäufer hat sich auf meine zwei eMails hin nicht bei mir gemeldet. Ein Anschwärzen via Bucht erschien mir recht sinnlos. Für das Archiv folgt nun meine letzte eMail an den Händler - einige Schnitzer im Englisch mit eingeschlossen:

Hello Mr. <X>,

okay, it took me lots of hours to sort out the problem reported in my last eMail. With your BIOS chip the board was able to boot, but I was not able to update the BIOS or to write any settings. This left me in a very unsatisfying situation.

I was already afraid that your BIOS chip could not be compatible to the original SST25VF016B. So I ordered one of these chip unprogrammed for 4 Euros in ebay.

When the new chip arrived I built a small board which connects both chips to the board. With a jumper I can switch the CE# signals, while a not used signal is pulled to high level via 1 kOhm. Using this setting, I could switch between both chips. Unfortunately, the attempt to program the new chip with using the board's recovery procedure failed.

So I tried a different approach: FlashRom. I booted Linux (SystemRescueCD) via a USB stick and queried the BIOS chips via the tiny program FlashRom. It gave me the right IDs for both chips. In first step I wasn't able to program the SST25VF016B, because the fast AAI (automatic address increment) flash procedures use opcodes which are blocked by the ICH10R southbridge. After patching the program to use single byte programming for this particular flash type, I was able to program the new chip! And guess what: I can boot my PC and I can write all settings! So my machine came back to life. But your BIOS chip was only part of all necessary steps, not the solution.

Do you have any explanation for your chip being incompatible to the DP43BF? Yes, it boots the machine, but updating and writing settings is an issue. A refund would be welcome.

Cheers, Eike

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