The power supply from hell

The power supply from hell

Ein Steckernetzteil, welches direkt aus der Hölle zu stammen scheint? Sich dabei auch noch höchst effektiv als funktionierend tarnt, so dass seine zerstörerischen Kräften unerkannt im dunklen Inneren eines Rechnergehäuses walten können? Gibt es so etwas? Ja, ein derartiges Netzteil habe ich womöglich 2011 teuer erworben. Namhafter Hersteller, 120 W, 12 V auf Sekundärseite, explizit für den Einsatz in Kombination mit einer picoPSU freigegeben.

Dieses Netzteil durfte die 90 W-picoPSU des Hausservers speisen. Was es einige Wochen recht unauffällig erledigte, bevor erste Merkwürdigkeiten auftraten.

Ab und zu fand ich den zum 24/7-Betrieb bestimmten Server ausgeschaltet vor, was recht enervierende Auswirkungen hatte, da diese Maschine u.a. die DNS- und DHCP-Dienste für das Hausnetz zur Verfügung stellte. Am Anfang schob ich die Effekte auf die picoPSU. Der Rechner wurde stets wieder eingeschaltet, alles lief wieder, tagelang, wochenlang. Bis zum nächsten spontanen Ausfall. Irgendwann schaltete sich der Rechner aus und ließ sich nicht mehr einschalten. Die picoPSU war hinüber. Das hochwertige Steckernetzteil war zu diesem Zeitpunkt immer noch über jeden Verdacht erhaben.

Ich ersetzte die defekte picoPSU daraufhin durch eine 60 W-Version, die zuvor in einem Streamingclient werkelte. Damit lief der Server zwar wieder, aber bereits nach kurzer Zeit trat erneut der Effekt des spontanen Ausschaltens ein. Der Server war mit Industriehardware (PICMG 1.0) aufgebaut, doch der somit recht einfache Austausch des CPU-Boards brachte keine Besserung. Erstmals fiel der Verdacht auf das Netzteil. Ich tauschte es gegen die kleine 60 W-Version des gleichen Herstellers - und fortan war Ruhe.

Das teure 120 W-Netzteil wanderte als Reserve in den Schrank, wohl zu Recht gebrandmarkt als "potentiell böse". Zumindest lag es im Rahmen des Möglichen, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits eine 90 W-picoPSU auf dem Gewissen hatte. Für eine Reklamation waren die Begleiterscheinungen zu nebulös, da fehlte einfach die klare Kausalkette. Und sekundär lagen weiterhin im unbelasteten Zustand 12 V an. Wie sollte ich einen Defekt nachweisen? Somit durfte das Netzteil noch auf den finalen Schlag warten. Denn die Zeit bringt ja bekanntlich immer ein Stück Vergessen mit sich...

Rund sieben Jahre gingen ins Land. Das 120 W-Netzteil wurde in dieser Zeit nicht mehr verwendet. Der Server werkelte fröhlich vor sich hin, alles war gut.

Anfang 2019 stand ein Wechsel der mittlerweile recht betagten Serverhardware an. Neue Komponenten wurden eingekauft, und als Spannungsversorgung des modernen ATX-Mainboards durfte sich das über Jahre bewährte 60 W-Netzteil an einer nagelneuen 90 W-picoPSU beweisen. Das funktionierte wunderbar, der Energiebedarf war erfreulich gering. Die bisher im alten Rechner eingesetzte 60 W-picoPSU wanderte in den Streamingclient. Und damit war erstmals erneut der Bedarf an einem weiteren 12 V-Netzteil da. Ich erinnerte mich wieder an das 120 W-Netzteil. Und sollte es bitter bereuen.

Angeschlossen am Streamingclient zeigten die ersten kurzen Einsätze des 120 W-Netzteils noch keine Auffälligkeiten. Der kleine Rechner lief. Das Netzteil blieb dabei erfreulich kühl, es war kaum Erwärmung feststellbar. Beim kleineren 60 W-Netzteil am Hausserver sah dies trotz geringer Last von maximal 25 W anders aus, es wurde zumindest lauwarm. Da gab es also mögliches Einsparpotential.

Mit der Entscheidung, das 120 W-Netzteil auf den neuen Server loszulassen, habe ich mir dann wohl keinen Gefallen getan. Zunächst waren die Messungen erfreulich: Mit dem "bösen" Netzteil zog der Rechner rund ein halbes Watt weniger, was sich im Dauerbetrieb über Jahre schon bemerkbar machen kann. Klasse. Irgendwo im Hinterkopf meldete sich zwar warnend die Erinnerung an die Probleme und schlechten Erfahrungen der Vergangenheit, doch was sollte schon passieren? Lief doch.

Nach rund zehn Stunden Einsatz am Server hatte das 120 W-Netzteil sein ultimatives Werk vollbracht: Die Spannungsregler des neuen ATX-Mainboards waren hinüber, der Rechner lief nicht mehr. Klar, wieder war nicht direkt nachweisbar, dass es tatsächlich an diesem Netzteil lag, aber so langsam hatte dieses Stück Elektronik einen Lauf. Und als ich dann noch auf die glorreiche Idee kam, die Kombination aus 90 W-picoPSU und "bösem" 120 W-Netzteil auf das bereits funktionierende Ersatzmainboard loszulassen, bekam ich postwendend die Quittung: Unter leichter Rauchentwicklung lösten sich die Wicklungen des CPU-Lüfters auf. Damit war mein Tag endgültig gelaufen. Glücklicherweise zeigte sich im Nachhinein, dass wirklich nur der Lüftermotor hinüber war, die Ersatzhardware konnte also noch am selben Tag die Aufgabe als Hausserver übernehmen. Natürlich mit einem richtigen ATX-Netzteil, somit ohne Steckernetzteil und ohne picoPSU.

Jetzt war mir klar: Lass zukünftig die Finger von diesem 120 W-Netzteil! Die 90 W-picoPSU ist über den Jordan. Das neue Mainboard ebenfalls. Im Leerlauf liefert das 120 W-Netzteil übrigens weiterhin eine Ausgangsspannung von 12,6 V. Erscheint erst einmal recht hoch, wenn man bedenkt, dass die picoPSU die 12 V direkt an das Mainboard, welches laut Spezifikation nur Toleranzen von +/- 5 Prozent zulässt, durchreicht, aber das bisher nicht auffällige 60 W-Netzteil des gleichen Herstellers liefert sogar 12,7 V im unbelasteten Zustand. Also frei nach dem Motto: "Schließ mich an. Was soll schon passieren?"

Fazit der üblen Geschichte: Zwei defekte picoPSU, ein defektes Mainboard, ein defekter Lüfter. Sowie die Erkenntnis, den Hausserver nie wieder mit einer picoPSU zu betreiben und das 120 W-Netzteil bei nächster Gelegenheit der Elektroentsorgung zuzuführen. Stattdessen die sofortige Anschaffung eines hochwertigen energieeffizienten ATX-Netzteils für den Server.

Letzten Endes bin ich von der Idee, die 12 V-Sekundärspannung eines Steckernetzteils direkt an die 12 V-Schiene eines ATX-Mainboards durchzureichen, nicht mehr überzeugt - und da ist es mir völlig egal, wie namhaft der Hersteller des teuren Steckernetzteils sein mag und ob er dieses explizit für den Einsatz mit einer picoPSU freigibt. Energiesparen ist schön und gut, aber ich setze zukünftig lieber auf die Schutzschaltungen eines "normalen" ATX-Netzteils, welches von vornherein für den Einsatz in Rechnern gedacht und konzipiert ist.

Und wenn ein solches Netzteil defekt ist, wandert es ohne jeden Umweg über Los direkt in den Wertstoffhof hinein.

P.S.: Als Modellbahner habe ich noch einige alte Gleichstrommotoren in Reserve. Mal schauen, was das "böse" Netzteil mit denen anstellt...

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