Zum Thema "Freibad": Früher war alles besser...?

In diesen Tagen kommt man nicht umhin, von den Problemen in unseren öffentlichen Freibädern zu hören und zu lesen. Da fallen, so hört und liest man, allenthalben ganze Menschenhorden übereinander her, wobei es glücklicherweise meist - so zumindest mein subjektiver Eindruck - bei Wortgefechten bleibt. Sicherheitsdienste werden engagiert, um der Lage Herr zu werden. Für viele Zeitgenossen eine günstige Gelegenheit, warnend den Zeigefinger heben zu können: "Früher war alles besser."

Ich möchte die Situation nicht schönreden, aber zu bedenken geben, dass so viele Dinge stets aus der Nachsicht positiver erscheinen, als sie es wirklich waren. Und viele Dinge und Gegebenheiten - vielleicht - einfach schon immer so gewesen sind, wie sie sind. Der Mensch bleibt Mensch. Vor allem dann, wenn er leichtbekleidet bei ungewohnter Umgebungstemperatur auf eine allzu große Anzahl seinesgleichen trifft.

Um zum Beweis den von mir so geschätzten Schriftsteller Alfred Kerr zu zitieren, der am 30. Juli 1899 schrieb:

[...] Was ich sagen wollte: in einer Berliner Badeanstalt befürchtet man immer, Keile zu bekommen. Ich werde das Gefühl nie los. Unsere Bevölkerung hat diesen Wesenszug in sich, einen jugendfrischen Wesenszug; und wer bei uns auf Körperverletzungen immerhin von vornherein gefaßt ist, ist weise. Die positive Gesinnung, die Goethe dem ersten seiner starken Gesellen in den Mund legt, äußert sich auch im Spreebad:

"Wenn einer mir ins Auge sieht,

Werd' ich ihm mit der Faust gleich in die Fresse fahren."

[...]

Und das bei bestem Kaiserwetter.

Also bleibt man am besten direkt im Wasser und bewahrt einen kühlen Kopf. Besser ist das.

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